Abdruckdesinfektion
Desinfektion von Abdrücken*
Quelle: DZZ 1993


Die Notwendigkeit zur Desinfektion von Abdrücken ergibt sich nicht allein
durch die aktuelle Bedeutung des HI-Virus als vielmehr daraus, daß
grundsätzlich Keimverschleppungen vermieden werden müssen. Viele Keime
werden bereits durch das Abspülen des Abdruckes unter fließendem Wasser
weggeschwemmt. Trotzdem bleibt doch noch eine ganze Reihe pathogener
Keime lebens- und vermehrungsfähig, so daß aus hygienischen Gründen eine
Desinfektion routinemäßig durchzuführen ist.


Zur Dimensionsstabilität desinfizierter Abdrücke

Häufig bestehen Bedenken, durch das Desinfizieren die Genauigkeit des
Abdruckes oder die Qualität des Modells zu verschlechtern. Das stimmt nur
insofern, als nicht alle gängigen Desinfektionsverfahren auch für Abdrücke
geeignet sind. Dies trifft bevorzugt für die Hydrokolloidabdruckmassen zu, die
einen hohen Wassergehalt aufweisen. Da jedoch Alginate nicht für
Präzisionsabdrücke vorgesehen sind, werden an solche Abdrücke nicht so hohe
Genauigkeitsanforderungen wie an die Elastomere gestellt. Auch
Alginatabdrücke können desinfiziert werden, selbst wenn eine Quellung zu
vergleichsweise größeren, aber im allgemeinen vernachlässigbaren
Dimensionsänderungen führt. Die Desinfektion von Agarabdrücken bereitet
allerdings Schwierigkeiten. Das ergibt sich schon daraus, daß Agar auch als
Bakteriennährboden verwendet wird, beim Abdruck aber gerade keine Keime
und kein Keimwachstum erwünscht sind.


Ohne Schwierigkeiten lassen sich die Elastomere (kondensations- und
additionsvernetzte Silikonmassen und Polyäthermassen) und die
Zinkoxid-Eugenol-Pasten desinfizieren. Auch wenn eine geringe
Verschlechterung der Oberflächenhärte des Gipsmodells nachgewiesen werden
kann, ist die Größenordnung ohne Bedeutug für das praktische Vorgehen. Die
Paßgenauigkeit wird nicht verschlechtert. Die größte Fehlermöglichkeit liegt
weiterhin in einer nicht ausreichenden Elastizität bei untersichgehenden
Bereichen.


Wie können Abdrücke desinfiziert werden?

Für die praktische Durchführung der Desinfektion von Alginaten, Silikon- und
Polyäthermassen sowie Zinkoxid-Eugenol-Pasten sind folgende Empfehlungen
zu geben:

Nach dem Entfernen des Abdrucks aus dem Mund ist er für 15 Sekunden unter
fließendem Wasser abzuspülen, um Plaque, Nahrungsreste, Speichel und Blut zu
entfernen und die Keimzahl zu reduzieren. Zur Desinfektion sollten nur
Tauchlösungen verwendet werden. Sprays weisen eine unzuverlässige Wirkung
auf. Für eine Routinedesinfektion werden Einlegezeiten in die Lösung zwischen
10 und 15 Minuten außer für Alginate angegeben. Es ist auf eine vollständige
Benetzung zu achten; Luftblasen am Abdruck werden durch mehrmaliges
Eintauchen vermieden. Bei hohem Infektionsrisiko werden Zeiten bis zu einer
Stunde empfohlen. Anschließend wird die anhaftende Desinfektionslösung für 15
Sekunden unter fließendem Wasser abgespült.


Es ist möglich, mit einem Desinfektionsmittel für die verschiedenen
Werkstoffgruppen auszukommen. Dazu sind bevorzugt 2%ige
Glutaraldehyd-Lösungen geeignet. Alginatabdrücke sollten nur 10 Sekunden in
die 2%ige Glutaraldehyd-Lösung eingelegt werden und anschließend 5 Minuten
in einem geschlossenen Gefäß (Hygrophor) bis zum Abspülen liegen.
Alginatabdrücke sollen nicht mit Isopropylalkohol behandelt werden, weil
größere Dimensionsänderungen eintreten. In kritischen Fällen sollten keine
Abformungen mit Agarmassen vorgenommen werden, weil für diese Gruppe bei
der Desinfektion mit größeren, kritischen Dimensionsänderungen gerechnet
werden muß.

Hinweise auf Produkte, Einwirkzeiten und Wirksamkeit sowie die Dauer der
Verwendbarkeit der fertigen Lösung (meist eine Woche) können aus "Das
Dental Vademecum", das im Deutschen Ärzteverlag erschienen ist, entnommen
werden.

J. Viohl, Berlin
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* Diese Stellungnahme wurde zugleich vom Vorstand der Deutschen
Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde e. V. gebilligt.

Quelle: Dtsch Zahnärztl Z 48, 148 (1993)



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